Mittwoch, 15. Februar 2017

Das Orakel von Delphi



Würfel in Brettspielen sind ja so eine Sache. Von manchen geliebt als chaotisches Element, von anderen genau aus diesen Gründen gehasst. Klar ist, dass Würfel fast immer für einen großen Glückseinfluss in Spielen sorgen. Fast immer. Denn Stefan Feld hat es sich wohl auf die Fahne geschrieben, die unberechenbaren Sechsseiter zu zähmen. Und so finden die Würfel auch in Das Orakel von Delphi (Pegasus) Verwendung, ohne dabei aus dem Werk ein reines Glücksspiel zu machen.

Vielmehr ist Delphi sogar ein durchaus anspruchsvolles und taktisches Spiel, bei dem wir möglichst schnell mehrere Aufgaben erfüllen müssen. Verschiedene Gefahren, Fähigkeiten und Möglichkeiten inklusive.




Unendliche Meere
Sobald der Aufbau abgeschlossen ist, erstreckt sich vor uns ein großes und farbenfrohes Inselreich. Zwölf von Zeus gestellte Aufgaben wollen wir in diesem erfüllen um das Spiel zu gewinnen. Dabei müssen wir etwa an einer Stelle mit unserem Schiff Opfergaben oder Statuen einsammeln und sie andernorts abliefern, passende Inseln für unsere Tempel finden oder mächtige Monster besiegen. Als Lohn für all die Mühen warten verschiedenste Boni sowie, wenn wir am schnellsten sind, der ewige Dank von Zeus selbst.


Die Macht der Würfel
Egal was wir in unserem Zug erledigen wollen, stets benötigen wir dafür einen Würfel. Drei davon werfen wir am Ende einer Runde und ordnen sie der gewürfelten Farbe zu. Um uns nun etwa zu bewegen, benötigen wir einen Würfel in der Farbe des Zielfeldes. Wollen wir eine Statue oder eine Opfergabe Aufnehmen, benötigen wir auch dafür einen farblich passenden Sechsseiter, wie auch beim Platzieren derselben. Um allerdings nicht gänzlich auf Fortuna angewiesen zu sein, dürfen wir Gunstplättchen nutzen, um Würfel umzufärben.

Gefahren…
Leider strotzen die Reiche nur so vor Gefahren, die größte davon kommt in der Form der Titanen daher. Denn für diese wird am Ende jeder Runde gewürfelt ob sie den Spielern eine Wunde zufügen. Zu viele davon und wir verpassen einen Zug. Also besser früh die Kampfkraft steigern, was eine der möglichen Belohnungen für das Erfüllen von Aufgaben ist. Daneben können wir auch noch Gunstmarker und Würfelkarten (Bonusaktionen) sammeln oder sogar besondere Fähigkeiten erhalten.


…und Chancen
Natürlich stehen wir all diesen Gefahren nicht schutzlos gegenüber. Denn zum einen verfügen wir alle von Beginn an über besondere Fähigkeiten (ein schnelleres Schiff, mehr Lagerplatz, etc), zum anderen stehen uns die Götter bei. Denn mit jedem Würfelwurf der Mitspieler dürfen wir einen passenden Gott auf der entsprechenden Leiste voran bewegen. Und wer das Ziel erreicht belohnt uns mit mächtigen Fähigkeiten. So können wir einmalig unser Schiff versetzen, alle Wunden heilen oder Würfel unabhängig von der Farbe einsetzen. Und wem die Götter hold sind, den können solch mickrige Aufgaben wohl kaum schrecken.


Fazit
Stefan Feld schafft es bei Das Orakel von Delphi einmal mehr, die Würfel auf eine spannende und fordernde Art und Weise einzubauen. Als Motor des Spiels geben diese zwar einerseits die Möglichkeiten vor, wirken aber andererseits niemals zu dominant. Aufgrund dessen spielt sich Delphi deutlich lockerer als durch die Materialfülle zu erwarten ist. Da wir obendrein stets am Ende unserer Runde neu würfeln, können wir unseren Zug bereits frühzeitig planen und die Wartezeit reduziert sich auf ein Minimum. Und Planen solltet ihr. Denn bei Delphi handelt es sich im Kern um ein Rennspiel. Wer seine Aktionen am besten kombiniert, die wenigste Zeit verschwendet und am besten vorausdenkt, der erfüllt seine Aufgaben am schnellsten.

Natürlich geht mit all den Vorteilen auch das Problem einher, dass die Interaktion eher überschaubar ausfällt. Abseits vom vereinzelten Wegschnappen verschiedener Gaben, Säulen oder Monster haben die Spieler eigentlich recht wenig miteinander zu tun. Auch der durchaus vorhandene Glücksanteil dürfte nicht jedem gefallen. Zwar gibt es reichlich Möglichkeiten die Würfel zu beeinflussen, wer stets passend würfelt hat es aber dennoch leichter. Insbesondere, da sich frühe Erfolge potenzieren können und passende Belohnungen den weiteren Spielverlauf leichter machen. Zudem kommt es teilweise vor, dass manche Spieler vom Aufbau begünstigt werden und viele kurze Wege haben.

Dennoch gefiel uns Das Orakel von Delphi sehr gut. Insbesondere der flotte und vergleichsweise lockere Spielverlauf gepaart mit den vielfältigen Optionen lässt uns immer wieder mal in See stechen.



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