Mittwoch, 3. September 2014

Sultaniya

Von Dschinnen, Fenstern und Kamelen
Was ein echter Dschinn aus Film und Fernsehen ist muss nur mit der Nase wackeln oder dem Kopf nicken um wahre Wunder geschehen zu lassen. So werden binnen eines Augenblicks ganze Gebäude errichtet, Reichtümer entstehen oder der Wünschende findet sich auf einer tropischen Insel wieder. Dass dies mit der Realität wenig zu tun hat, dürfte den meisten von uns klar sein. In Wirklichkeit, wollen nämlich auch Dschinnen für ihre Dienste bezahlt werden und ihre Kräfte sind bei weitem nicht so allumfassend, wie sie uns immer vorzugaukeln versuchen.

In Sultaniya (Charles Chevallier  / Asmodee) errichten wir mit ebenjenen mystischen Helfern einen Tempel. Die meiste Zeit sind wir dabei aber auf uns gestellt, müssen Tempelplättchen wählen und in unseren Tempel in spe einbauen. Wofür wir dabei am Ende Punkte erringen variiert von Spiel zu Spiel.



Von handwerklicher Arbeit…
Was wir zu Spielbeginn vorgesetzt bekommen erinnert dabei noch wenig an jene Prachtbauten aus 1001 Nacht. Vielmehr starten wir, nachdem wir uns für einen Charakter (von Alibaba bis Sindbad) entschieden haben, mit einem mickrigen Gebäude aus gerade einmal 3 Elementen. Dieses auszubauen ist nun unser Auftrag. Dazu wählen wir, sobald wir am Zug sind, ein passendes Plättchen aus der Auslage. Passen muss dabei einerseits die Gebäudeebene deren es 4 verschiedene (vom Sockel bis zum Dach) gibt. Darüber hinaus muss auf die Umgebung geachtet werden um nicht am Ende mit halben Säulen oder freischwebenden Mauerelementen dazu stehen. Die Auswahl wird dadurch häufig eingeschränkt, vieles will einfach nicht so richtig passen. Obendrein hat natürlich jeder seine eigenen Vorstellungen wie so ein Tempel auszusehen hat. Für uns bedeutet das, dass jeder Charakter auf verschiedene Elemente (vom Fenster über Pflanzen bis hin zu Wachen) wert legt und diese mit Punkten belohnt.

… und mystischen Helfern
Wer am Zug ist und sich partout nicht für ein Teil entscheiden will, der kann einen Dschinn zu Hilfe rufen. Diese werden mit Saphiren bezahlt die sich entweder auf verbauten Plättchen finden lassen oder beim Passen ausgezahlt werden. 4 dieser knallbunten Helfer stehen uns mit ganz unterschiedlichen Kräften zur Verfügung. So kann etwa die Auswahl der Legeplättchen verändert oder ein bereits gebautes Plättchen verschoben werden. Alternativ dürfen wir in einer Runde 2-mal bauen oder uns ein beliebiges Plättchen aus dem Stapel suchen.
Errichtet ein Spieler das fünfte Dachplättchen endet das Spiel und die Punkte werden ermittelt. Neben den charakterabhängigen Punkten für verschiedene Tempel-Elemente gibt es nun noch Boni für 2 zu Spielbeginn zufällig verteilte und geheime Ziele und schon steht fest, wer der beeindruckteste Baumeister ist.


Fazit
Sultaniya zu beurteilen fällt mir nicht leicht, scheinen sich hier doch die Wiedersprüche zu häufen. Einerseits weiß das Spiel phasenweise richtig zu packen. Andererseits stören in fast jeder Partie kleinere Probleme und Unsauberkeiten.

Das beginnt schon beim Material. Was in der Box daher kommt ist wirklich beeindruckend und grafisch wie haptisch auf höchstem Niveau. Dabei sind die Plättchen aber teilweise so überfrachtet, dass selbst erfahrenen Spieler Probleme beim korrekten Platzieren haben. Auch die Dschinnen in der Box sind zwar sehr gelungen, die Figuren sind aber nur für ein einziges Zielplättchen von Bedeutung. Ist dieses nicht im Spiel, kann man die Figuren getrost in der Schachtel lassen. Obendrein muss (sollte das entsprechende Ziel im Spiel sein) ständig kontrolliert werden welcher Dschinn für welchen Effekt steht, was den Spielfluss deutlich hemmt. Hier drängt sich das Gefühl auf, dass das Material nur des Materials wegen in der Schachtel ist.

Ähnlich läuft es dann auch im Spiel selbst. Die Grundregeln könnten simpler kaum sein. Fast in jedem Zug nimmt man ein Plättchen, baut dieses an und fertig. Das ist eingängig und leicht verständlich, einem schnellen Start steht nichts im Wege. Dabei gibt es aber eine solche Masse an Elementen auf den Plättchen, dass man ständig am herum probieren, am drehen, durchrechnen und zurücklegen ist. Kleine Türme, große Türme, runde Türme, spitze Türme, Wachen, Fenster, Pflanzen und Rubine… alles kann Punkte bringen wenn man den richtigen Charakter hat. Ansonsten ist es nur Deko. Wie übrigens auch die Kamele, die zwar auf einigen Plättchen präsenter sind als die relevanten Spielelemente, dabei aber keinerlei Bedeutung haben.

Problematisch gestaltet sich darüber hinaus auch die Punktevergabe. Während die Charaktere nicht gänzlich ausgeglichen wirken, ist dies bei den Zusatzzielen sogar recht deutlich der Fall. Einige bringen mit Mühe mickrige 3 Punkte, Andere ohne viel Aufwand 6 oder sogar 8. Hier werden schlicht Punkte verschenkt.

Trotz all der Kritik macht Sultaniya überraschenderweise durchaus Spaß. Es fesselt einfach, den eigenen Tempel wachsen zu sehen und punkteträchtige Plättchen einzubauen. Die Dschinne sorgen für Abwechslung und lassen verschiedene Strategien zu. Trotzdem gibt es kaum eine Partie in dem nicht irgendwelche Kleinigkeiten den Gesamteindruck stören. So bleibt am Ende zwar ein solides Spiel, aber auch das Gefühl, in einigen Bereichen über das Ziel hinausgeschossen zu sein.

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